Li Yanhe (李延贺) — in Taiwan ansässiger Verleger, in der VR China (Festland) inhaftiert
Status: Im Mai 2026 aus der Haft entlassen, so ungenannte Quellen, auf die sich taiwanische Medien und die Dui Hua Foundation berufen. Berichten zufolge kann er die VR China (Festland) nicht verlassen, solange ein einjähriger „Entzug der politischen Rechte“ gilt. Stand: 17. Oktober 2026; von den Behörden in Peking oder Taipeh nicht offiziell bestätigt. (Quellen: Dui Hua Foundation, Juli 2026; CNA und Taipei Times, 9. Juni 2026.)
Zusammenfassung
Li Yanhe, bekannt unter seinem Pseudonym Fucha (富察), ist Gründer und Chefredakteur von Gusa Publishing (八旗文化), einem Verlag in Taiwan. Bei einem Besuch in Shanghai im März 2023 verschwand er. Im April 2023 bestätigte das Büro für Taiwan-Angelegenheiten der VR China, dass die Staatssicherheitsbehörden gegen ihn ermittelten. Im März 2025 gab es bekannt, dass das Mittlere Volksgericht Nr. 1 in Shanghai ihn am 17. Februar 2025 wegen „Anstiftung zur Abspaltung“ verurteilt habe: zu drei Jahren Haft, einem Jahr Entzug der politischen Rechte und der Einziehung von 50.000 RMB aus seinem Privatvermögen. Der Rat für Festlandangelegenheiten der Republik China (Taiwan) nannte das Verfahren „vollständig geheim“. Menschenrechts- und Pressefreiheitsorganisationen forderten seine Freilassung.
Hintergrund
Li wurde 1971 in der Provinz Liaoning in der VR China (Festland) geboren und gehört der Volksgruppe der Mandschu an. Er war stellvertretender Direktor des Verlags Shanghai Literature & Art Publishing House, bevor er 2009 mit seiner taiwanischen Ehefrau nach Taiwan zog. Dort gründete er Gusa Publishing als Imprint der Verlagsgruppe Book Republic. Gusa wurde bekannt für Titel zu Geschichte und Zeitgeschehen, die hanzentrierte und offizielle Geschichtsdarstellungen der VR China infrage stellen, darunter Bücher, die sich kritisch mit der Kommunistischen Partei Chinas auseinandersetzen. Außerdem moderierte er eine Sendung bei Radio Taiwan International. 2013 erhielt er eine Aufenthaltsgenehmigung der Republik China (Taiwan). Nach Angaben taiwanischer Medien reiste er 2023 auf das Festland, um dort seine Haushaltsregistrierung löschen zu lassen – ein Schritt, der für den Abschluss seiner Niederlassung in Taiwan erforderlich war.
Chronologie des Falls
- März 2023: Er reist nach Shanghai, danach bricht der Kontakt ab. Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten der VR China erklärte später, das Staatssicherheitsbüro Shanghai habe am 21. März 2023 wegen des Verdachts der „Anstiftung zur Abspaltung“ „strafrechtliche Zwangsmaßnahmen“ gegen ihn verhängt.
- 20.–22. April 2023: Freunde melden ihn als verschwunden. Schriftsteller, Verleger und Wissenschaftler in Taiwan und im Ausland unterzeichnen Appelle für seine Freilassung; berichtet wurde von mehr als 350 Unterzeichnern.
- 26. April 2023: Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten bestätigt, dass „die Staatssicherheitsbehörden gegen ihn wegen des Verdachts ermitteln, an Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein, die die nationale Sicherheit gefährden“.
- 17. Mai 2023: Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten erklärt, seiner Ehefrau sei erlaubt worden, mit ihm zu sprechen und ihm zu schreiben.
- Februar 2025: Die Oberste Volksstaatsanwaltschaft führt seinen Fall nach Angaben von Human Rights Watch unter den „bedeutenden“ Fällen der nationalen Sicherheit auf.
- 17. Februar 2025: Das Mittlere Volksgericht Nr. 1 in Shanghai fällt nach Angaben des Büros für Taiwan-Angelegenheiten ein erstinstanzliches Urteil. Dies wurde damals nicht bekannt gegeben.
- 17. März 2025: Das Büro für Taiwan-Angelegenheiten gibt die Verurteilung wegen „Anstiftung zur Abspaltung“ bekannt, ohne das Strafmaß zu nennen. Der Rat für Festlandangelegenheiten erklärt, die „öffentliche Verhandlung“ sei in Wahrheit vollständig geheim gewesen.
- 26. März 2025: Auf die Frage eines Journalisten teilt das Büro für Taiwan-Angelegenheiten mit, er sei zu drei Jahren Haft, einem Jahr Entzug der politischen Rechte und der Einziehung von 50.000 RMB verurteilt worden. Er habe sich „vor Gericht schuldig bekannt“ und keine Berufung eingelegt. Der Rat für Festlandangelegenheiten entgegnet, der Verzicht auf eine Berufung „bedeutet kein Schuldeingeständnis“.
- März 2026: Im jährlichen Tätigkeitsbericht des obersten Gerichts und der obersten Staatsanwaltschaft der VR China an den Nationalen Volkskongress wird seine Verurteilung angeführt. Der Rat für Festlandangelegenheiten verurteilt dies als Unterdrückung der Meinungsfreiheit.
- Mai 2026: Nach Verbüßung seiner Haftstrafe entlassen, so ungenannte Quellen, auf die sich CNA, die Taipei Times und die Liberty Times berufen. Berichten zufolge darf er das Festland wegen der Nebenstrafe nicht verlassen.
- 10. Juni 2026: Auf seine Freilassung und das Ausreiseverbot angesprochen, erklärt das Büro für Taiwan-Angelegenheiten lediglich, der Fall sei „stets nach Recht und Gesetz behandelt worden“.
- 11. Juni 2026: Der Rat für Festlandangelegenheiten erklärt, die Regierung sei über seine Lage informiert, werde sich aber auf Wunsch seiner Familie nicht äußern.
Aktueller Stand (17. Oktober 2026)
Berichten zufolge wurde er im Mai 2026 aus der Haft entlassen und lebt in der VR China (Festland). Nach Angaben der Dui Hua Foundation (Juli 2026) und taiwanischer Medien, die sich auf ungenannte Quellen berufen (Juni 2026), werde er an der Rückkehr nach Taiwan gehindert, solange der einjährige Entzug der politischen Rechte andauert. Weder die Behörden der VR China noch die der Republik China (Taiwan) haben seine Freilassung öffentlich bestätigt. Ein Freund sagte dem chinesischen Dienst der BBC, er habe ihn nicht erreichen können. Bis zu diesem Datum wurde kein Bericht gefunden, wonach er nach Taiwan zurückgekehrt ist.
Siehe auch: Li Yanhe (李延贺): Medienprofil und Archiv (auf Englisch)
Quellen
- Büro für Taiwan-Angelegenheiten der VR China, Protokolle der Pressekonferenzen: 26. April 2023; 17. Mai 2023; 26. März 2025; 10. Juni 2026
- Rat für Festlandangelegenheiten der Republik China (Taiwan), Chronik der Beziehungen über die Taiwanstraße 2025, Eintrag vom 17. März 2025
- Central News Agency: 26. März 2025; 27. März 2025; 9. Juni 2026; 11. Juni 2026
- Human Rights Watch, 7. April 2025
- Radio Free Asia, 17. März 2025
- Taipei Times: 9. Juni 2026; 10. März 2026
- BBC News 中文, 9. Juni 2026
- Dui Hua Foundation, Prisoner Update #6, Juli 2026